Rheinpfalz-Artikel zum Treffen mit Franklin Bustillos
Initiative erwägt Kauf eines Hauses für Lehrlinge
Grünstadt: Geschäftsführer der Fundacion Pueblo informiert bei Treffen im Martinssaal über Stand des Projekts
Die Initiative für den Bau eines Lehrlingswohnheims in La Paz (Bolivien) hält weiter an ihrem Ziel fest, wenn sich die Verwirklichung Projekts schwieriger gestaltet als ursprünglich angenommen. Das wurde bei einem Treffen mit dem Geschäftsführer der Fundacion Pueblo, Franklin Bustillos, am Samstag im Martinssaal deutlich.
Wie mehrfach berichtet, hatte eine Gruppe um den Grünstadter Dekan Weber vor zwei Jahren Bolivien besucht, um sich vor Ort Entwicklungshilfe-projekte anzusehen. Dabei hatten sie die Fundacion Pueblo (Dorfstiftung) kennen gelernt, die unter anderem zusammen mit den Werkstätten der SOS-Kinderdörfer in La Paz das Projekt „Lehrlingspension“ betreibt. Es ermöglicht Jugendlichen aus besonders armen Bergregionen eine dreijährige kostenlose und qualifizierte Ausbildung zum Baufacharbeiter Schreiner, Elektriker, Drucker oder zur Schneiderin. Untergebracht sind die jungen Leute in relativ teuren Mietwohnungen, die den größten Kostenfaktor darstellen.
Das gab den Anstoß für das „Haus Zukunft“, das die Pfälzer Gruppe im Mai vergangenen Jahres vorstellte und für das sie seitdem Spenden sammelte, mittlerweile 26.500 Euro. Für den Bau rechnete die Fundacion mit Kosten von etwa 25.000 Euro. Sie war damals davon ausgegangen, dass die dortige Stadtverwaltung das Grundstück für das Wohnheim kostenlos zur Verfugung stellt. Diese Hoffnung hat sich aber mittlerweile zerschlagen: „Leider haben sich die politischen Umstände geändert“, sagte Bustillos.
Welche Konsequenzen sich daraus für das weitere Vorgehen ergeben, wollte Dekan Weber am Samstag mit Mitgliedern der Initiative und Unterstützern diskutieren. „Wir wollen Transparenz schaffen“, betonte Weber. An dem Treffen nahmen außerdem Vertreter der Fundacion Pueblo und des Vereins „Freunde Boliviens“ teil, die in Deutschland Spenden für die Dorfstiftung sammeln.
Drei Alternativen wurden vorgestellt: Wenn ein Grundstück gekauft werde, sei mit Gesamtkosten von etwa 90.000 Euro zu rechnen, sagte Franklin Bustillos, der zurzeit auf Besuch in Europa ist. Der Kauf eines Hauses sei für etwa 45.000 Euro möglich: In Bolivien gebe es eine Auswanderungswelle, der Wert vieler Immobilien sei bis auf die Hälfte gefallen. Die dritte Option wäre das so genannte „Anticretico“-Modell: In dem Andenland sei es durchaus üblich, einen zinslosen Kredit gegen die kostenlose Nutzung einer Wohnung zu geben.
Im Laufe der Diskussion wurde deutlich, dass die Initiative und die Unterstützer am „Haus der Zukunft“ festhalten wollen. Favorisiert wurde, ein Haus zu kaufen und die dafür noch benötigten rund 20.000 Euro über ein Darlehen zu finanzieren, das über weitere Spenden abgedeckt werden soll. Anfang Juli will die Gruppe der „Bolivienfahrer“ endgültig darüber entscheiden.
Der SPD-Landtagsabgeordnete Manfred Geis informierte, dass das Projekt „Haus der Zukunft“ im Dezember im Foyer des Landtags in Mainz vorgestellt wird. Dazu gibt es eine Ausstellung mit Skulpturen eines bolivianischen Künstlers und Fotos, die beim Besuch der Gruppe 2005 in Bolivien entstanden sind.
INFO — Spenden für das Lehrlingswohnheim können auf das Konto des Evangelischen Verwaltungsamtes eingezahlt werden: Sparkasse Rhein-Haardt (BLZ 54651240), Kontonummer 1000 29 39, Stichwort: Bolivien, Haus der Zukunt. Auf Wunsch gibt es Spendenbescheinigungen, (cn)