Mar 26, 2009

Diskussionsbeitrag bei der Aussprache zum Bericht des Arp-Untersuchungsausschusses Landtagsplenum, 25. März 2009

Seit gut 10 Jahren beteilige ich mich an der kulturpolitischen Diskussion im Landtag, das macht mir oft erkennbar Spaß; die Mitarbeit im Arp-Untersuchungsausschuss hat mir selten Spaß gemacht – auch erkennbar.

Für einen Berufsstand haben wir, besser: die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Landtag und Fraktionen (besten Dank für ihre Arbeit!), eine wunderbare Vorlage geschaffen: für die Kunsthistoriker und Soziologen. Das umfangreiche Material, ordentlich aufgearbeitet, ruft nach einer kunstwissenschaftlichen/kulturhistorischen Dissertation. Sicher ist es auch interessant, das Zusammenspiel von Politik und Kultur, das Aufeinandertreffen von Welten, die oft auch sehr verschiedene Sprachen sprechen, zu untersuchen und darzustellen.

Ich bin froh, dass wir jetzt am Ende der Arbeit des Untersuchungsausschusses sind und uns um die Zukunft des Arp Museums Bahnhof Rolandseck kümmern können. Dazu will ich mich jetzt, nicht primär als Mitglied des Untersuchungsausschusses, sondern als kulturpolitischer Sprecher der SPD äußern. Lassen Sie uns einen Strich unter die Vergangenheitsbewältigung machen. Behalten Sie von der CDU-Fraktion Ihre Ergebnisse und Schlussfolgerungen; wir, und die FDP erfreulicherweise mit uns, unsere und unsere Empfehlungen - dazu werde ich zum Ende meines Beitrags noch etwas sagen.

Für die positive Entwicklung des Arp Museum Bahnhof Rolandseck sind wir alle hier mitverantwortlich, vor allem aber die im kulturpolitischen Ausschuss Engagierten. Dort wünsche ich mir jetzt eine neue, eine andere Diskussionskultur, eine inhaltliche Auseinandersetzung

  • um Ausstellungsinhalte
  • um die Einhaltung der Kriterien, die die Bildhauermuseen sich zur Zeit geben, um die Bewertung von Güssen von Skulpturen zu regeln
  • um das Rahmenprogramm im Museum
  • um Werbekonzepte

Das ist der angemessene Umgang mit einer kulturellen Perle am Rhein, die wir übernommen (Herrn Wasmuth sei Dank für die Initiative!) und weiterentwickelt haben.

Lassen Sie mich in dem Zusammenhang noch mal zurückblicken auf den Untersuchungsausschuss, nicht um aufzurechnen, sondern um zu belegen, dass wir mit der aktuellen Entwicklung zeitgemäß anknüpfen an etwas, was seit Jahrzehnten angelegt war.

Bernhard Vogel hat die relevanten Punkte zur Bedeutung des Ensembles für die damalige Zeit im Untersuchungsausschuss genannt:

  • die Chance zum Austausch von Kultur und Politik
  • die Profil-Schärfung gegen das Reben- und Rüben-Image des Landes
  • und wörtlich: „Dem starken Nordrhein-Westfalen eine Stirn bieten“.

Das alles war und ist in Ordnung, aber das Arp Museum geht überall einen Schritt weiter:

  • es geht nicht nur um den Austausch von Politik und Kultur (wie wichtig der schon ist!!), sondern es geht um die Chance, hochwertige Kunst möglichst vielen Menschen nahezubringen – und das gelingt, die Besucherzahlen sprechen für sich, offenbar in bemerkenswerter Weise
  • in der Profilschärfung des Landes ist das Arp Museum ein Baustein neben vielen anderen, die die neue rheinland-pfälzische Kulturpolitik ausmachen: Das Bewahren und Nutzen unseres kulturellen Erbes, die Initiative Weltkulturerbe Mittelrheintal nenne ich in diesem Zusammenhang, weil sie vor allem auch touristische Relevanz haben
  • und den Nordrhein-Westfalen bieten wir nicht mehr die Stirn, das sehen wir jetzt selbstbewusster und entspannter; wir machen ein hochwertiges und freundliches Angebot an das Nachbarland und seine Bürgerinnen und Bürger, die Menschen aus den Metropolen Köln/Bonn, Düsseldorf und Ruhr, hierher zu kommen, um die Verbindung von erstrangiger Kunstpräsentation und traumhafter Landschaft zu erleben. Bernhard Vogel hat an Alexander von Humboldt erinnert, der gesagt haben soll, dass die Lage von Rolandseck gegenüber dem Siebengebirge auf der anderen Rheinseite eine der schönsten der Erde sei. Wenn man auf der Terrasse des Bahnhofs sitzt, kann man das nachempfinden. Fahren Sie doch einfach mal hin!

Und noch etwas in diesem Zusammenhang: Bei der ITB, der Internationalen Tourismus-Börse, die vor kurzem in Berlin stattfand, hat das Arp Museum zusammen mit den Museen aus dem Süden von Nordrhein-Westfalen geworben – wie sich übrigens auch die Generaldirektion Kulturelles Erbe in einer gemeinsamen Kultur-Lounge präsentiert hat. Das ist eine vernünftige Entwicklung der Kooperation über Ländergrenzen hinweg.

Und auch bei der ITB hätten sie sehen können, wie sehr die Bundesländer wissen, dass die Selbstdarstellung als Kulturland erfolgversprechend ist – Sachsen hat sich sehr aufwändig fast ausschließlich so präsentiert.

Aber da muss man auch etwas anzubieten haben. Und wir haben mit dem Arp Museum Bahnhof Rolandseck etwas anzubieten! Sie von der CDU wehren sich massiv dagegen, dass die Idee für einen Museumsbau schon in ihrer Regierungszeit entstanden sein könnte, na ja, dann eben nicht. Aber nicht Herr Beck ist der „allein Schuldige“, wie Sie es ausdrücken, Herrn Scharping ist auch einiges zu verdanken.

Wir sind stolz darauf, dass unter den Ministerpräsidenten Rudolf Scharping und Kurt Beck die Pläne gereift sind und umgesetzt wurden – mit massiver Unterstützung des Bundes – ich will Frau Merkel nicht mehr aus ihrer Rede bei der Eröffnung des Arp Museums zitieren. Es freut uns und schmerzt sie – das muss man ja nicht übertreiben.

Die politisch Verantwortlichen vor Ort wissen um die Chance, die sie haben, der CDU-Bürgermeister von Remagen und der CDU-Landrat vom Rhein-Ahr-Kreis mit ihren Räten wissen um ihre Chance und wollen sie nutzen in enger Kooperation mit der Landesregierung. Sie sollten sich ein Beispiel nehmen an ihren Parteifreunden vor Ort.

Lassen Sie die unangemessenen Sprüche wie „Sogenanntes Arp Museum“, das ist albern und schadet dem Ansehen des Hauses in Rolandseck, dem Haus hier und unserem Land insgesamt.

Lassen Sie mich noch etwas sagen zu unseren „Empfehlungen“, die wir gemeinsam mit der FDP geben wollen:

  1. Wir müssen mitarbeiten, an dem kultur- und strukturpolitischen Ziel, das Arp Museum Bahnhof Rolandseck auf höchstem Niveau zu einem Glanzpunkt am Mittelrhein zu machen. Dazu bedarf es aufsehenerregender Ausstellungsprojekte und aller Facetten zeitgemäßer Museumspädagogik – wir wollen, dass möglichst viele Menschen in unser Museum kommen, da muss man mit der Bewusstseinsbildung und der Vermittlung von Freude am Museumsbesuch schon bei den Kleinsten anfangen.
  2. Dazu gehört vor allem ein unverwechselbares inhaltliches Profil, das sich vor allem speist, natürlich, aus dem Werk von Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp, der künstlerischen und kunstwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit den beiden in ihrer Zeit und heute, auch mit den Bezügen, die sich innerhalb unseres Bundeslandes ergeben, ich nenne hier, wie ich das schon öfter getan habe, die Verbindung zu Pirmasens, der Heimatstadt von Hugo Ball. Dazu kommen die besonderen Chancen, die sich ergeben aus der Möglichkeit, die „Sammlung Rau“ nutzen zu können.
  3. Zum Umgang mit posthumen Güssen ist schon viel gesagt worden. Es ist kein spezifisches Arp-Problem. Wir haben mit unserer Veranstaltung im Arp Museum einen wichtigen und vielbeachteten Meilenstein der ernsthaften Auseinandersetzung gesetzt, die Empfehlungen der Bildhauermuseen, die es bald geben wird, werden wir 1:1 umsetzen.
  4. Das Arp Museum Bahnhof Rolandseck hat eine traumhafte Lage, das nutzt der Stadt, das nutzt dem Landkreis, im Kulturellen, im Touristischen. Das Museum liegt im äußersten Norden von Rheinland-Pfalz, zwischen Koblenz im Süden und Bonn/Köln/Düsseldorf im Norden; Verknüpfungen/Kooperationen drängen sich auf und es wird im Arp Museum auch daran gearbeitet – Frau von Gumppenberg ist mir bei der ITB in Berlin begegnet. Der künftige Oberbürgermeister von Koblenz, dem vieles von dem, was sich positiv entwickelt hat, sehr persönlich zu verdanken ist – herzlichen Dank, Herr Staatssekretär, für ihren Mut, ihre Beharrlichkeit, ihre Kompetenz – wird die Verbindung in Zukunft zu nutzen wissen …

Ich wiederhole gerne meinen Appell an die große Oppositionspartei: Beteiligen Sie sich an der Chance, die das Arp Museum Bahnhof Rolandseck bietet, für die Stadt Remagen, die Region am Mittelrhein und das Land insgesamt.

Kulturell interessierte Menschen überall in Deutschland – ich habe mit vielen gesprochen – verstehen nicht, wie wir mit unserem neuen Museum selbst umgegangen sind. Es hat sich trotzdem positiv entwickelt. Wir sollten gemeinsam daran weiterarbeiten, dass dies so weitergeht!