Apr 21, 2008

Bilanz der Konstantinausstellung in Trier

Rede vor dem Landtag am 15. November 2007

Sie vermuten richtig, wir wollen über Konstantin reden, weil diese Ausstellung eine Erfolgsgeschichte ist.

(Beifall bei der SPD)

Sie ist eine Erfolgsgeschichte unserer Kulturpolitik und der Kooperation des Landes mit Partnern, der Stadt Trier und dem Bistum Trier.

(Unruhe im Hause)

Da wurde an einem Strang gezogen, gute Arbeit geleistet und gemeinsam gute Stimmung verbreitet.

(Glocke des Präsidenten)

Wenn wir schon bei Partnerschaften sind, zu danken ist auch dem Partner Luxemburg, nicht nur, weil Jean Claude Juncker so eine vorzügliche und süffige Rede bei der Eröffnung der Ausstellung gehalten hat, sondern weil das Label „Kulturhauptstadt Europas" auch der Stadt Trier und der Region sowie dem Land Rheinland-Pfalz genützt hat.

Viele von uns haben die beeindruckende Eröffnungsveranstaltung gesehen. Da war spürbar, dass es nicht darum geht, eine harmlos verklärende Historienschinkenschau zu zeigen, sondern Konstantin in all seiner Widersprüchlichkeit und Angreifbarkeit zu präsentieren sowie zum Nachdenken und Weiterdenken zu motivieren. Die Ministerin hat es schon gesagt, rund 350.000 Besucherinnen und Besucher sind zu der dreiteiligen Schau gekommen. In den drei Museen sind das zusammen rund 800.000 Besuche. Über 40 % mehr Menschen als erwartet haben die Ausstellung gesehen.

(Vizepräsidentin Frau Klamm übernimmt den Vorsitz)

Es gab - auch das wurde schon gesagt - rund 7.300 organisierte Führungen. Ich habe gelesen, das waren mehr als bei der Weltschau „documenta". Das ist sicher ein Erfolg, den man vorzeigen kann.

(Beifall bei der SPD)

Eine wissenschaftliche Begleituntersuchung hat herausgefunden, das 98 % der Gäste - eine unvorstellbare Zahl! - die Ausstellung weiterempfohlen haben. Zu den Auswirkungen für Trier und die Region wird später meine Kollegin Frau Sahler-Fesel noch etwas sagen. Ich will für Rheinland-Pfalz sagen, das Land hat beste Voraussetzungen, wie im vorliegenden Fall Kultur und Tourismus miteinander zu verbinden. Zu einem reichen kulturellen und historischen Erbe kommt eine Landschaft, die zum Verweilen einlädt. Wenn dann noch die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden und auch das aktuelle zeitgenössische kulturelle Angebot stimmt, sind Erfolge selbstverständlich. Kultiviertes Reisen ist angesagt, aber man muss auch schon etwas zu bieten haben. Das hat Rheinland-Pfalz von den historischen und landschaftlichen Voraussetzungen. Wenn dann Angebote auf höchstem Niveau hinzukommen, kann nichts schiefgehen.

Wir schaffen die Voraussetzungen für diese Kooperationen. Die Generaldirektion „Kulturelles Erbe", deren oberstes Ziel es ist, diesen historischen Schatz des Landes erfahrbar und erlebbar zu machen, hat sich neu konstituiert und arbeitet mit Volldampf. Ich denke, die, die am Anfang skeptisch waren, haben inzwischen auch eingesehen, dass es nicht darum geht, Denkmalschutz, Museen, Burgen, Schlösser und Altertümer in ihrer Bedeutung zu reduzieren, im Gegenteil, durch zeitgemäße Präsentationen wird erst ein Bewusstsein dafür geschaffen, dass wir etwas mit dieser Geschichte zu tun haben.

Wir geben dafür auch viel Geld aus. Neben dem, was die Ministerin für Trier gesagt hat, bauen wir zum Beispiel zurzeit das Landesmuseum in Mainz für insgesamt 38,5 Millionen Euro um. Das ist ein ganz schöner Brocken. In diesem Jahr hat in Rheinland-Pfalz Geschichte Konjunktur gehabt. Wir haben den 60. Geburtstag unseres Bundeslandes gefeiert. Wir haben seiner demokratisch-sozialen Wurzeln bei der 175. Wiederkehr des Hambacher Schlosses eindrucksvoll gedacht und mit dieser Ausstellung jetzt an die römische Geschichte erinnert, die auf rheinland-pfälzischem Boden - nicht nur in Trier - viele eindrucksvolle Zeugnisse hinterlassen hat.

Viele Exponate dieser eindrucksvollen Ausstellung gewährten Einblick und Anschauungsunterricht in Facetten eines Prozesses der politischen, religiösen und kulturellen Umorientierung, die auch für ein Europa, wie wir es heute kennen, erste Prägungen bedeutete. Rheinland-Pfalz hat ein stolzes historisch-kulturelles Erbe, dem wir uns selbstbewusst verpflichtet zeigen. Wir pflegen eine Tradition, die Wurzeln für ein weltoffenes, tolerantes und gastfreundliches Land gelegt hat.

Ich will aber auch - nicht ganz so populär vielleicht - hinzufügen, wir haben das kulturelle Erbe auch dann zu fördern, wenn es nicht so spektakulär und eventorientiert ist, zum Beispiel für die Erfassung von Handschriften und für die Restaurierung alter Bücher. Das kostet ganz viel Geld, und im Zweifelsfall merkt es kaum jemand. Aber wichtig ist es trotzdem.

(Beifall der SPD)

Ich will noch ein kleines Fazit ziehen. Diese Ausstellung zeigt, Qualität bringt etwas. Kooperation bringt auch etwas. Auch die Museen in Trier haben das gemerkt und wollen sich in Zukunft gemeinsam vermarkten.

(Glocke der Präsidentin)

Kulturausgaben sind Investitionen in die Zukunft, bildungsmäßig, sozial, aber auch wirtschaftlich. Danke schön. (Beifall der SPD)