Schienenverbindung Mannheim – Mainz
Landtag Rheinland-Pfalz, Plenarsitzung am 28.4.2005, Beitrag in der Aussprache zur Fragestunde
Der verkehrspolitische Experte meiner Fraktion bin ich nicht, aber wenn es einen Wettbewerb um die meisten Bahnkilometer im Parlament gäbe, wäre ich optimistisch.
Ich bin seit über 40 Jahren kreuz und quer durch die Kurpfalz zur Schule, zur Universität, zu meinem Arbeitsplatz gefahren, und seit gut sechs Jahren fahre ich jetzt regelmäßig und ausschließlich mit der Bahn aus der Pfalz nach Mainz (zweimal umsteigen!) und zurück. Ich bin sehr zufrieden damit.
Ich will gerne die Gelegenheit benutzen, an dieser Stelle der Landesregierung ausdrücklich für eine faszinierende Entwicklung des ÖPNV zu danken, die konzeptionell und damit eben auch real sehr stark von der Pfalz ausging – Werner Schreiner (und anderen) sei Dank.
Wir sollten nicht vergessen: Vor 30 Jahren wurde noch ernsthaft diskutiert über die Stilllegung der Strecke Neustadt – Bad Dürkheim, heute unvorstellbar. Diese Strecke ist inzwischen ein Herzstück der Nord-Süd-Verbindung, am Wochenende können die Menschen direkt ohne Umsteigen von Mainz nach Weißenburg fahren.
Eine Bitte: Wir sollten uns nicht regionalistisch auseinanderdividieren lassen. Neid ist kein guter Ratgeber, wir sollten versuchen, positive Entwicklungen nachzuahmen und Menschen gewinnen, einen attraktiven ÖPNV an möglichst vielen Orten zu nutzen.
Der ÖPNV in Rheinland-Pfalz, der Rheinland-Pfalz-Takt im speziellen, ist eine Erfolgsgeschichte, etwas, was man vorzeigen kann. Übrigens auch unumstritten in diesem Haus, habe ich den Eindruck. Diese Attraktivität muß erhalten bleiben.
Die durchgehende Verbindung vom Süden nach Mainz ist mit dem Rheinland-Pfalz-Takt mindestens stündlich eingeführt worden. Das zu ändern, wäre ein Rückschritt unserer gesamten Schienenverkehrspolitik. Es widerspräche übrigens auch einer sinnvollen Verzahnung der Metropolregionen Rhein-Main und Rhein-Neckar. Und ich müßte in Zukunft dreimal umsteigen, wenn ich aus Bad Dürkheim nach Mainz fahre.
Die Züge vom Süden des Landes und aus Mannheim nach Mainz sind knüppelvoll, es ist für mich und viele Nutzerinnen und Nutzer unvorstellbar, dass es sinnvoll sein könnte, die Menschen in Worms oder Osthofen zu einem unnötigen Umstieg zu zwingen.
Ich fahre regelmäßig durch Osthofen, ich bin auch schon öfters dort ausgestiegen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ohne Millionenaufwand der Bahnhof ertüchtigt werden könnte, Hunderten von Menschen am Tag eine angemessene Umsteigemöglichkeit anzubieten.
Als Kulturpolitiker könnte ich ja der Sache noch einen gewissen Charme abgewinnen, weil der große Joseph Beuys gesagt hat: „Die Mysterien finden im Hauptbahnhof statt!“ Aber tägliche Mysterien auf dem Weg zur Arbeit sind vielleicht etwas übertrieben.
Zum Fachlichen wird gleich unser Experte Manfred Nink noch einiges sagen.