Redebeitrag bei der Aussprache zur Mündlichen Anfrage der SPD-Fraktion: „Einführung von Jugendkunstschulen“
Herr Präsident,
liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,
ich bin ein eher unpathetischer Mensch, aber weil kulturpolitische Entscheidungen oft ein bisschen im Schatten anderer Politikbereiche stehen, will ich es ausdrücklich sagen:
Wir haben mit der Einführung der Förderung von Jugendkunstschulen in Rheinland-Pfalz eine wichtige Investition in die Zukunft des Landes geleistet.
Ausgaben für Kultur sind keine Zuschüsse, sie sind Investitionen!
Wir haben eines der zentralen kulturpolitischen Ziele der SPD-Landtagsfraktion für diese Wahlperiode auf den Weg der Umsetzung gebracht.
Wie im Wahlprogramm versprochen, in der Regierungserklärung 2006 angekündigt und bei den letzten Haushaltsberatungen beschlossen, wird die Einrichtung von Jugendkunstschulen in Rheinland-Pfalz mit Landesmitteln gefördert.
Mit 250 000 Euro für das Jahr 2008, für den Kulturbereich ein ansehnlicher Betrag, fördern wir den Auf- und Ausbau von 34 Jugendkunstschul-Initiativen – und das nicht konzentriert in den Zentren, sondern breit gestreut von A wie Altenkirchen im Westerwald im Nordosten des Landes bis Z wie Zweibrücken in der Südwestpfalz.
CDU und FDP haben bei der Verabschiedung des Haushalts unserem Antrag, diese Mittel zusätzlich für diesen Bereich der kulturellen Bildung erstmals bereitzustellen, nicht zugestimmt.
Schade, dass Sie auch bei der Übergabe der Förderbescheide nicht anwesend sein konnten, sie hätten eine lebendige Szene, engagierte ehren- und hauptamtliche Kulturleute erleben können, die hochmotiviert ans Werk gehen werden.
Wir laden Sie ein, in Zukunft diesen Weg gemeinsam mit ihnen und uns zu gehen.
Ich will die Bedeutung der kulturellen Bildung beiliebe nicht verengen auf diesen Aspekt bzw. der Kultur eine Verantwortung aufbürden, die sie nicht allein wird tragen können, aber ich erinnere mich, wie wir alle beeindruckt waren vom Vortrag des Kriminologen Prof. Pfeiffer beim Parlamentarischen Abend der Musikschulen, der die Bedeutung von kultureller Teilhabe als wichtige Voraussetzung für Integration und soziales Verhalten gewürdigt hat.
Mit der Stärkung kreativer gestalterischer Fähigkeiten wird auch ein wertvoller Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung geleistet. Dabei spielt bei vielen Projekten der interkulturelle Dialog eine besondere Rolle.
Deshalb ist es auch ausdrücklich zu begrüßen, welch weites konzeptionelles und gestalterisches Feld die einzelnen Förder-Anträge abdecken, wie unterschiedlich die Trägerstrukturen sind, Städte , Kreise, Volkshochschulen und Musikschulen, Kirchen und Vereine, private Malschulen, Theater und Zirkusinitiativen haben Ideen entwickelt, oft in Kooperationsmodellen, die es bisher in den jeweiligen Kommunen nicht gab.
Ich nenne nur ein Beispiel: den Internationalen Bund in Pirmasens, der mit Rockmusik-Projekten vor allem auch junge Männer, oft mit Migrationshintergrund, erreicht und sie nicht als Problemgruppe behandelt, sondern ihre kreativen Fähigkeiten fordert und fördert.
So kommen Film und Performance, Tanz und zeitgenössische Musik ganz selbstverständlich zu den Bereichen, die man eher konventionell einer Jugendkunstschule zuweist wie Malen, Zeichnen und plastisches Gestalten.
Kultur ist kein Reparaturbetrieb für alle Probleme dieser Gesellschaft, sondern ein Wert an sich.
Kulturelle Teilhabe ist ein Menschenrecht und viele Antragsteller mühen sich, gerade sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche an kulturelle Bildung heranzuführen.
Wir können stolz darauf sein, dass wir bereits mit der ersten Runde der Bewilligungen in die Spitzengruppe der Länder mit Jugendkunstschul-Förderung vorgedrungen sind, nur drei bis vier Bundesländer, mit zum Teil sehr langer Tradition, leisten Vergleichbares, sagt Peter Kamp, der Vorsitzende des Bundesverbandes der Jugendkunstschulen, der ein engagiertes Mitglied in unserer Jury war.
Wie soll es weitergehen? Mit einer stabilen Förderung des Landes auf der Basis der Entscheidung des ersten Jahres, mit der Unterstützung der Kommunen, aber vor allem auch mit der Weiterentwicklung der Einrichtungen, ihrer gegenseitigen Anregung, ihrem Austausch und ihrer Vernetzung. Da kann man sehr optimistisch sein. Eine Aufbruchstimmung hat die Szene in diesem Bereich erfasst, da sind noch sehr viele spannende Entwicklungen zu erwarten.
Ich bin stolz auf die konkreten Ergebnisse der Umsetzung und optimistisch für die weitere Entwicklung. Es macht einfach Spaß, sich die „Landkarte der Kreativität“ anzusehen, das ruft nach Vernetzung und provoziert besondere Anstrengungen, wo „weiße Flecken“ sind – hier in Mainz zum Beispiel.
2. Teil der Rede nach den Beiträgen der anderen Parteien und der Rede der Kulturministerin Doris Ahnen:
Ich freue mich, dass beide Oppositionsparteien in Zukunft diesen Weg gemeinsam mit uns gehen wollen. Sie werden die Chance der Mitgestaltung haben – sie müssen sich aber auch mit den Initiativen vor Ort auseinandersetzen, wir reden nicht über ein kulturtheoretisches Thema.
Ein Beispiel: Die Vernetzungsfrage, die Frau Lejeune dankenswerterweise angesprochen hat: Das ist, jetzt schon absehbar, eines der erfreulichsten Ergebnisse der Entwicklung von Jugendkunstschulen in Rheinland-Pfalz:
Es wird Kooperationen, Vernetzungen geben, an die vorher niemand gedacht hat, zum Beispiel zwischen der Evangelischen Kirche der Pfalz, die in ihrem wunderbar renovierten Martin-Butzer-Haus in Bad Dürkheim vor allem für Schulklassen und Konfirmandengruppen Kurse anbieten wird, und der „Offenen Werkstatt“ – wahrscheinlich der ältesten Jugendkunstschule in Rheinland-Pfalz – in der gleichen Stadt.
In Bad Kreuznach, ausgehend von den mitreißenden Initiatorinnen einer Jugendkunstschule, engagieren sich Künstlerinnen und Künstler verschiedenster Sparten und viele Menschen mühen sich, Räume zu finden – eine Belebung der Innenstadt -, die geeignet sind, gestalterische Aktivitäten durchzuführen.
In einigen Städten gibt es mehrere Antragsteller, ihre Kooperation liegt auf der Hand.
Musikschulen und Volkshochschulen sind Träger und Koordinatoren – neue Betätigungsfelder für traditionelle Einrichtungen – ganz spannende Entwicklungen.
Ich möchte mich bedanken beim Kulturbüro Rheinland-Pfalz der LAG Soziokultur &Kulturpädagogik für vorbildliche Vorbereitungs- und Koordinierungsarbeit und bei Mechthild Eickhoff vom Bundesverband der Jugendkunstschulen und kulturpädagogischen Einrichtungen, sie hat mit einem mitreißenden Referat bei einem kulturpolitischen Kongreß im Januar 2006 den direkten Anstoß gegeben für unsere Bemühungen, indem sie uns die Augen dafür geöffnet hat, dass hier eine Chance liegt, demokratische Beteiligungspotenziale schon mit den Jüngsten einzuüben und umgekehrt (das war besonders beeindruckend, wie sie das an Beispielen erzählt hat) zu lernen von der Kraft und der Kreativität, die von Kindern ausgeht.