Jul 29, 2005

Bibliothekswesen in Rheinland-Pfalz

Landtag Rheinland-Pfalz, Plenarsitzung am 2. Juni 2005, Besprechung der Großen Anfrage der Fraktion der FDP und der Antwort der Landesregierung auf Antrag der Fraktion der FDP

Herr Präsident, meine Damen und Herren! Es ist eine sinnliche Lust zu lesen. Ich gehe davon aus, dass viele von Ihnen das bestätigen können. Es ist aber eine Lust, die leider vielen vorenthalten bleibt. In manchen Bereichen muss man den Eindruck haben, dass sich Entwicklungen eher verschlechtern als verbessern. Das betrifft zum Beispiel kleine Kinder, deren Eltern ihnen Bilderbücher vorenthalten. Der Verkauf ist drastisch zurückgegangen.

Als Vorsitzender des Bibliotheksverbandes Rheinland- Pfalz bin ich froh, dass wir heute Gelegenheit haben, über das rheinland-pfälzische Bibliothekswesen und über die vielfältigen Ideen und Projekte zur Leseförderung zu sprechen.

Ich möchte mich vorab bei den vielen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in wissenschaftlichen und öffentlichen Bibliotheken bedanken, seien sie kommunal oder kirchlich.

Es wird hier eine vorbildliche Arbeit geleistet, engagiert, ideenreich und kooperativ. Herzlichen Dank dafür!

Die fachlich ausgebildete Bibliothekarin, deren Liebe zum Buch und die Freude, diese den Menschen zu vermitteln, aber auch spürbar sein muss, ist eine unverzichtbare Mitarbeiterin in einer kommunalen Verwaltung. Die gut ausgestattete benutzerfreundliche Bibliothek ist ein zentraler Ort des sozialen Gemeinschaftslebens, ein wichtiger Indikator für die Qualität kommunaler Arbeit.

Die Antwort des Ministeriums auf die Große Anfrage der FDP-Fraktion ist ein umfassender und aktueller Zustandsbericht der realen Situation des Bibliothekswesens in Rheinland-Pfalz. Die Antwort beschönigt nicht die problematische Finanz- und Personalausstattung vieler kommunaler, öffentlicher und einiger wissenschaftlicher Bibliotheken. Doch sie legt auch dar, welche finanziellen und personellen Anstrengungen das Kulturministerium in den letzten fünf Jahren, teils in enger Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium, unternommen hat, um im Wettbewerb mit anderen Bundesländern zu bestehen.

Es gibt einige bibliothekarische Felder, in denen Rheinland- Pfalz auf die Überholspur gegangen ist und bei bemerkenswerten mehrjährigen Projekten eine Vorreiterfunktion inne hat.

Einer der Förderschwerpunkte der Landesregierung in den letzten drei Jahren ist die aktive Leseförderung von Kindern und Jugendlichen durch die enge Zusammenbindung von öffentlichen Bibliotheken und Schulen am Ort sowie den Ausbau von Schulbibliotheken und bibliotheksähnlichen Einrichtungen wie Leseecken, zunächst konzentriert auf die über 300 Ganztagsschulen.

Diese unterschiedlichen Maßnahmen und Projekte haben zum Beispiel dazu geführt, dass die Neuanmeldungen von Grundschülern in den kommunalen öffentlichen Bibliotheken überdurchschnittlich angestiegen sind. Schätzungsweise konnten mehr als 10.000 Kinder im Grundschulalter als neue Nutzer von Bibliotheken gewonnen werden.

Diese erfreulich positiven Ergebnisse auf vielen Feldern dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass aufgrund der knappen Mittel der öffentlichen Träger das öffentliche und wissenschaftliche Bibliothekswesen in RheinlandPfalz durchaus auch in seiner Substanz gefährdet ist. Hier wünsche ich mir ein offeneres Ohr mancher Entscheidungsträger in den Kommunen und mehr Bereitschaft, auch die erheblichen Chancen guter Bibliotheksarbeit für Jung und Alt erkennen zu wollen.

Die öffentliche Bibliothek ist überall dort gut aufgestellt – es gibt viele Beispiele dafür in Rheinland-Pfalz –, wo die örtlichen Entscheidungsträger von der wichtigen Rolle der Bibliothek als unverzichtbare Bildungs- und Kultureinrichtung überzeugt sind. Dort, wo diese Einsicht fehlt, existieren teilweise gar keine Bibliotheken oder sie fristen schlecht untergebracht ein Schattendasein.

Der überdurchschnittlich große, wichtige und lobenswerte Einsatz von hunderten von ehrenamtlichen Kräften in Gemeindebibliotheken ist sicher ein großes Plus für kleinere Bibliotheken im ländlichen Raum. Aber für die größeren Bibliotheken, die inzwischen über eine zufrieden stellende EDV-Ausstattung mit Internetzugang und modernen Medien verfügen, ist aufgrund der wachsenden Informationsanforderungen eine hauptamtliche und fachlich qualifizierte Personalausstattung zwingend notwendig.

Neben den Bibliothekstagen, die alle zwei Jahre mit großem Erfolg stattfinden, könnte ein Landespreis für vorbildliche Bibliotheken ein weiterer Anreiz für kundenfreundliche Arbeit und zur Steigerung des örtlichen Engagements sein. Ich werde mich mit meinem Verband dafür einsetzen.

Aber auch bei den wissenschaftlichen Bibliotheken werden wir uns auf große Ausgaben einstellen müssen. Die Sicherung unseres kulturellen Erbes, das heißt, vor allem sachgerechte Lagerung und Restaurierung, war eine Hauptforderung bei einem Gespräch mit dem Beirat der wissenschaftlichen Bibliotheken, das ich in meiner Funktion als DBV-Vorsitzender vor kurzem führte. Jürgen Seefeld, der Geschäftsführer unseres Bibliotheksverbandes und Leiter der Büchereistelle Koblenz hat 2003 eine Geschichte der Bibliotheken in Deutschland mitverfasst und hat diesem Buch den wunderbaren Titel „Portale zu Vergangenheit und Zukunft“ gegeben.

Diese Portale sollten wir nicht nur anschauen, sondern hindurchgehen und viele ermutigen mitzugehen. Wir sind mit der Leseförderung in Rheinland-Pfalz auf einem guten Weg. Wir werden ihn konsequent und mit Freude weitergehen.