Grußwort zur Eröffnung der Ausstellung von Daniel Spoerri: Weißt Du, schwarzt Du?
Und warum schwatzt jetzt ein Politiker?
Noch nicht mal ein Schwarzer …
Ja, ich rede gerne heute, das gebe ich zu! Das überrascht bei einem Politiker eigentlich auch niemanden.
Ich kann aber auch begründen, warum ich heute gerne rede! Hoffe ich.
Ich möchte demonstrieren, dass die rheinland-pfälzische Landespolitik hinter diesem Museum, seinem Konzept und damit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern steht.
Das bei dieser Ausstellung machen zu dürfen, freut mich besonders.
Immerhin war auch das Landeskabinett am Dienstag zu einer seiner wichtigsten Sitzungen hier und hat den Haushaltsentwurf für 2011 beschlossen.
Politik hat sich sicher selten so intensiv mit einem Museum, mit Bildender Kunst, sogar mit in der Fachwelt umstrittenen Fragen der Wertigkeit von Skulptur-Abgüssen beschäftigt, wie wir im rheinland-pfälzischen Landtag das mit dem Arp Museum getan haben.
Na ja, wenn es der Weiterbildung gedient hat oder, noch besser, die Nähe zur Kunst verstärkt hat, hat es seinen Sinn gehabt.
Um eines beneide ich Sie, Herr Spoerri, um die Nähe, die Sie zu diesem Haus haben.
Nicht nur zu Hans Arp, was der Titel der Ausstellung belegt und was Herr Kornhoff eben dargestellt hat.
Gestern habe ich schon mal, ziemlich unsinnlich, elektronisch mit ganz kleiner Schrift, in den schönen Katalog dieser Ausstellung linsen dürfen, dabei habe ich natürlich den süffigen Erinnerungstext, die „Erinnerungsfetzelchen“, gelesen, den Daniel Spoerri zu Rolands-Rosalseck geschrieben hat.
Bei der Eröffnung der Ausstellung Daniel Spoerri, Barbara Räderscheidt, Jutta Mattern, die Kuratorin der Ausstellung, und Manfred Geis Foto: Claudia Görres
Ich beneide Sie und alle, die damals schon hier waren, als Johannes Wasmuth mit der Köchin Rosalka noch im Bahnhof residierte, um diese Atmosphäre des Experimentell-Kulturellen, die Verbindung von Provisorium und Spitzenkunst, große Konzerte in einem „Rumpelrattensaal“, wie Daniel Spoerri schreibt …
An meinem Schreibtisch steht zwischen Kunst und Kitsch schon lange eine Postkarte von Klaus Staeck mit dem Beuys-Satz von 1979: „Die Mysterien finden im Hauptbahnhof statt“ --- hier in Rolandseck ist der „Hauptbahnhof der Kultur“; für einen Menschen wie mich, der immer mit der Bahn fährt, ist es grandios, in einem Museum aussteigen zu können.
Wir haben in unserem Untersuchungsausschuss im Landtag nach jedem Schnipsel Papier gesucht, der vielleicht hätte belegen können, dass eine Mark zuviel ausgegeben worden ist an Unterstützung für Johannes Wasmuth.
Ja, Gott sei Dank war es so, er hat der Politik, ob schwarz oder rot, das Geld aus der Tasche gezogen -- aber mit welchem Ergebnis!
Die Presse war heute morgen schon da, deshalb kann ich es ja unter uns sagen:
Lieber Herr Kornhoff, Johannes Wasmuth ist schon ein Vorgänger, dem es nachzueifern lohnt.
Viele meiner Kollegen aus der Politik haben sich bemüßigt gefühlt, Vorschläge zu machen, was das Museum zu zeigen hat und wofür seine Architektur geeignet ist – und wofür anscheinend nicht …
Ich möchte Sie, Herr Kornhoff, und Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, bestärken in ihrem Weg, der nur ein Kriterium haben kann: Qualität, exzellente Qualität!
Das merken die Menschen, das merken die Fachleute, darüber wird geschrieben und geredet. In unserer ranking-süchtigen Gesellschaft wird alles bemessen nach quantitativem Erfolg, natürlich brauchen wir Besucherinnen und Besucher, je mehr, desto besser (und auch schöner für alle Beteiligten), aber wir dürfen uns nicht verrückt machen (lassen) von Zielvorgaben, die ein Ansporn sein können, aber doch nur ein Bewertungsmaßstab für den Erfolg eines Hauses sind.
Museen haben auch einen Bildungsauftrag, und der wird hier im Arp Museum Bahnhof Rolandseck vorbildlich erfüllt durch die Qualität von Ausstellungen, aber auch von Konzerten und Lesungen (in der Wasmuthschen Tradition).
Das ist ästhetische und kulturelle Bildung, und da die auch schon und gerade bei den Kindern beginnen muss, gibt es auch dazu schöne Programme hier im Haus.
Ich bin stolz auf „unser“ Museum - rundum.
Ich habe jetzt die Profis gelobt, die Hauptamtlichen, aber das ist auch nur eine Seite der Medaille.
Ich möchte die Gelegenheit nutzen, mich zu verbeugen, das ist gerade heute angemessen, aber auch mit Wehmut verbunden:
Ich möchte Werner Fuchs danken für seine Aufbauarbeit als Vorsitzender der Gesellschaft der Freunde und Förderer des Arp Museums Bahnhof Rolandseck.
Werner Fuchs wird morgen offiziell aus dem Amt des Vorsitzenden verabschiedet werden, aber da das eher ein interner Akt ist, denke ich, dass eine Ausstellungseröffnung der geeignete Anlass ist, öffentlich Dank zu sagen.
Lieber Werner Fuchs, Sie haben unter schwierigen Umständen, ich habe das vorhin angedeutet, eine wichtige Aufgabe für unser Museum erfüllt, Sie haben geholfen, ihm Renommee, Verankerung in der Region und Unterstützung für Aktionen und Ankäufe zu geben.
Dafür herzlichen Dank, auch Ihrer Frau, die auch heute an Ihrer Seite ist; wir hoffen, Sie weiterhin als wichtigen Teil der Arp-Familie bei uns haben zu dürfen.
Die Gesellschaft der Freunde und Förderer unterstützt auch diese Ausstellung; ich werbe für die fahrt in die Toskana mit der Besichtigung des Skulpturenparks von Daniel Spoerri, zu diesem Thema hält Frau Räderscheidt nächsten Dienstag auch einen Vortrag hier im Haus.
Ich danke der Schweizerischen Kulturstiftung „pro helvetia“, die diese Ausstellung mit 10.000 Euro unterstützt.
Die Firma Holzbau Adams aus Remagen hat kostenlos die Sockel für die Ausstellung hergestellt. Auch dafür herzlichen Dank.
Aus-geweißt, aus-geschwatzt,
ich wollte freundlich grüßen, Ihnen allen einen anregend-aufregenden Eröffnungsabend wünschen, mich bei Herrn Spoerri und allen, die zum Gelingen der Ausstellung beigetragen haben, bedanken.
Jetzt hat endlich Jutta Mattern das Wort, jetzt wird’s fachlich und kompetent, ich bin gespannt auf die Einführung zur Ausstellung und freue mich darauf.
Danke fürs Zuhören.
Die Ausstellung ist im Arp Museum Bahnhof Rolandseck zu sehen bis zum 9. Januar 2011.
Informationen: www.arpmuseum.org