Manfred Geis, MdL Rheinland-Pfalz
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Dec 18, 2006

LG Grünstadt ist „Schule ohne Rasssismus - Schule mit Courage“

Manfred Geis als Pate ausgewählt

Bei einer eindrucksvollen Veranstaltung wurde am 14. Dezember 2006 dem Leininger Gymnasium Grünstadt der Titel "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" verliehen.

Manfred Geis, den die Schülerinnen und Schüler zum "Paten" für das Projekt gewählt hatten, übergab im Namen der Bundeskoordination die Urkunde und ein schmuckes Schild, das an der Eingangsfassade des Gymnasiums angebracht wird.

Das Leininger Gymnasium ist damit die achte Schule in Rheinland-Pfalz und die 312. in Deutschland, die diesen stolzen Titel trägt, und damit zu einem europaweiten Netz von mehr als 650 Schulen beiträgt. Manfred Geis: "Ich bin stolz, mir zusammen mit den engagierten Schülerinnen ud Schüler Gedanken machen zu dürfen über wirksame Aktionen für Völker- und Menschenverständigung gegen Rassendiskriminierung und Ausländerhaß."

Rede von Manfred Geis zur Verleihung der Ernennungsurkunde

Rede.pdf

Pressemeldung der Sonntag aktuell vom 17.12.2006

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Grünstadter Gymnasium ins Netzwerk „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" aufgenommen Flagge zeigen gegen Diskriminierung und Gewalt

Grünstadt. Sich gegen Diskriminierung zu stellen und für gewaltfreies, respektvolles, demokratisches Miteinander stark zu machen - das hat sich das Leininger-Gymnasium (LG) in Grünstadt (Landkreis Bad Dürkheim) vorgenommen. Als mittlerweile dritte Bildungseinrichtung in der Pfalz erhielt das LG jetzt die offizielle Anerkennung als Mitglied des Netzwerks „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" (SOR-SMC). An dem 1988 in Brüssel ins Leben gerufenen Projekt beteiligen sich inzwischen europaweit über 650 Schulen, davon 314 in Deutschland.

In Rheinland-Pfalz sind es nach Auskunft von Bernd Rückwardt, Leiter der Außenstelle Pfalz der Landeszentrale für politische Bildung, bisher acht, darunter auch das Gymnasium Kusel sowie die IGS Rockenhausen. Weitere Schulen, etwa in Herxheim, Kirchheimbolanden, Ludwigshafen und Zweibrücken, seien auf dem Weg dahin. Eine SOR-SMC zu werden, ging am Grünstadter Gymnasium von der letztjährigen Schülervertretung (SV) aus. Anlass waren laut Fabian Müller, Mitglied des damaligen Gremiums, NPD-Aktivitäten in der Region.

In Deutschland wabere wieder die „braune" Gefahr, so Rückwardt. Bundesweit wurden im vergangenen Jahr 10.400 gewaltbereite Rechte registriert (2004: 10.000), davon 4100 (3800) Neonazis. In Rheinland-Pfalz sind derzeit 75 Neonazis und 400 Skinheads bekannt. Im Leiningerland, wo so genannte Kameradschaften aus dem Donnersbergkreis, Speyer und Worms tätig sind, hatte die vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestufte NPD im Februar dieses Jahres die Alte Gräflich Leininger Mühle in Kirchheim gemietet und dort ein „nationales Jugend- und Schulungszentrum" eingerichtet.

Im Juni pachtete der NPD-Landesgeschäftsführer Sascha Wagner zudem das leer stehende „Gasthaus zur Burg" in Altleiningen. Mit Demonstrationen, Mahnwachen und anderen Aktionen sorgen die Braunen seither für Unruhe in der Region. Am Grünstadter Umweltbahnhof verteilten sie so genannte Schulhof-CDs mit rechtsradikalem Liedgut an Schüler und vor dem LG Propagandamaterial wie die „unabhängige" Jugendzeitung „in"vers".

Der Landkreis Bad Dürkheim reagiert darauf mit seiner Aktion „Rechtsextremismus? Fremdenfeindlichkeit? - Wir tun was". „Die Aktivitäten der Nazis sind häufig Thema im Unterricht und so suchten wir nach einer Möglichkeit, wie das Gymnasium als Ganzes nachhaltig klar Position beziehen kann", erläutert Sonja Moos von der jetzigen Schülervertretung. Dafür sei das auf dem Kongress der Landesschülervertretungen im Sommer in Wiesbaden vorgestellte SOR-SMC-Projekt bestens geeignet. Um teilnehmen zu können, müssen sich mindestens 70 Prozent der Schulgemeinschaft (einschließlich Lehrer, Elternvertreter und Mitarbeiter wie Hausmeister) per Unterschrift dem Ziel der Initiative verpflichten. „Bei uns waren es gut 90 Prozent", berichtet Müller ein wenig stolz. Dabei gehe es nicht ausschließlich darum, Flagge gegen Rechts zu zeigen, betont Sozialkundelehrer Ingo Hammann. „Vielmehr ist jede noch so subtile Form von Diskriminierung von Mitmenschen gemeint", sagt er.

In dem SPD-Landtagsabgeordneten Manfred Geis fand das LG einen Paten, der das Engagement dauerhaft unterstützt. „Ich kann es bekannt machen, Verbindungen zu Politik und weiteren SOR-SMC-Schulen herstellen, auch zu denen in Grünstadts Partnerregionen in Frankreich, Polen und Tschechien", erläutert der Sozialdemokrat. Hauptaufgabe sei aber die Mitentwicklung von Aktivitäten, die das Projekt mit Leben füllen werden. Diese sollten trotz ernstem Hintergrund Spaß machen, findet Geis, der sich beispielsweise Feierlichkeiten mit Menschen verschiedener Nationen vorstellen kann.

Mindestens einmal pro Jahr muss jede teilnehmende Bildungseinrichtung eine Veranstaltung gegen Diskriminierung durchführen und einen Bericht darüber bei der Bundeskoordination SOR-SMC in Berlin einreichen. Das LG hat schon damit begonnen. „Mit dem Netzwerk für Demokratie und Courage, Mainz, arbeiteten Zehntklässler zu dem Thema ,Schublade offen. Am Anfang war das Vorurteil"", erklärt Hammann. Dieses Tagesprojekt habe viel Gesprächsstoff geliefert, resümiert er.

An Ideen für weitere Aktionen mangelt es nicht. Angedacht ist ein Vortragsabend zu Rechtsextremismus mit einem Referenten vom Verfassungsschutz. „Im Frühjahr wollen wir dann zu einer deutsch-türkischen Lesung laden", kündigt Moos an.

Fabian Müller liegen besonders die „Stolpersteine" des Kölner Künstlers Gunter Demnig am Herzen. Wie schon an mehr als 9500 Stellen in der Bundesrepublik sollen nach Müllers Wunsch auch in Grünstadt vor Häusern, in denen Menschen gewohnt haben, die von den Nazis verfolgt und ermordet wurden, Metallquader mit deren Namen und Lebensdaten in das Straßenpflaster eingelassen werden. Um loslegen zu können, brauche das Gymnasium nur noch das schon vor längerem erbetene Einverständnis der Stadt. Anja Benndorf

Quelle: Publikation: Sonntag Aktuell Regionalausgabe: Vorderpfalz Datum: Nr.51 Datum: Sonntag, den 17. Dezember 2006 Seite: Nr.4

Pressemeldung DIE RHEINPFALZ 16. Dezember 2006

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„Große Chance, gemeinsam etwas zu verändern"

GRÜNSTADT: Leininger-Gymnasium als „Schule ohne Rassismus" anerkannt - Festakt mit beeindruckendem Rahmenprogramm

„Wer gegen Diskriminierung nichts tut, wird zum Mittäter", sagte Kriminaldirektor Werner Reichert von der Polizeidirektion Neustadt und lobte das Engagement des Leininger-Gymnasiums (LG) in Grünstadt. Das LG hat ein „Zeichen für ein gewaltfreies und respektvolles Miteinander" gesetzt, wie ihm am Donnerstagabend offiziell mit der Anerkennung als „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" (SOR-SMC) bescheinigt wurde.

Bei einem Festakt in der Aula mit zahlreichen geladenen Gästen - unter ihnen Vertreter der Kommunalpolitik, der Kirche, der Polizei und anderer Einrichtungen, die der Ausbreitung des Rechtsextremismus den Kampf angesagt haben - und einem beeindruckenden Rahmenprogramm nahm die Schülervertretung (SV) die Urkunde der Bundeskoordination „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" vom Landtagsabgeordneten Manfred Geis entgegen. Der Sozialdemokrat steht den Gymnasiasten als Pate bei der Umsetzung des Projekts zur Seite, das 1988 in Brüssel ins Leben gerufen wurde und an dem sich europaweit inzwischen rund 650 Schulen beteiligen, davon 314 in Deutschland.

In Rheinland-Pfalz ist das LG laut der Landeszentrale für politische Bildung in Mainz die achte Schule - und die erste in der Pfalz. Das Ziel der auf Dauer angelegten und fortwährend zu überprüfenden Aktion, dem sich mindestens 70 Prozent der Schüler, Lehrer und Elternvertreter per Unterschrift verpflichten mussten, ist es, sich für Integration und Chancengleichheit einzusetzen und Rassismus eine klare Absage zu erteilen. Sich gegen Diskriminierung zu wenden, stellte Oberstudiendirektorin Barbara Knopp klar, bedeute, sich für Demokratie stark zu machen. Am LG erklärten sich dazu gut 90 Prozent der Schulgemeinschaft bereit.

Worum es dabei geht, machten die Schüler bei der Feier, die von der dreiköpfigen Band „Geschmackssache" mit einem flotten Instrumentalstück eröffnet wurde, in Szenenspielen deutlich. Resümee der verschiedenen ideenreichen Sketche: Vorurteile wie „Türken schlagen ihre Frauen", „Polen klauen Autos", „Die Jugend hat keinen Respekt vor Älteren und tyrannisiert die Lehrer" sollen keinen Platz am LG haben.

Wie dumm solche Parolen sind, zeigten Kinder aus der Klasse 5 b am Beispiel der Forderung „Ausländer raus": Weihnachtsgänse flogen nach Polen, Schnittblumen brachen nach Kolumbien auf, Gewürze nach Indien, und Erdöl floss in den nahen Osten zurück. Am Ende gehörte „Deutschland den Deutschen", denen kaum mehr blieb, als mit einer Sondergenehmigung das aus Österreich stammende Lied „Stille Nacht, heilige Nacht" zu singen.

Besonders eindrucksvoll war die Darbietung „Stimmen der Vergangenheit" von Bernhard König. Im abgedunkelten Saal und zu Klavier- und Klarinettenklängen von Eva und Katharina Beimborn berichteten Mitglieder der AG Neue Musik im Flüsterton vom Schicksal eines Juden in Grünstadt, wo Adolf Hitler am 16. Mai 1933 zum Ehrenbürger ernannt worden war. Studiendirektorin Maria Schwarze-Kaufmann zeigte dazu historische Dias aus der Stadt während des Dritten Reichs.

Gerade jetzt, wo die Zeitzeugen von damals aussterben, sei Aufklärung sehr wichtig, um nicht zu vergessen und aus den Fehlern der Vergangenheit lernen zu können, betonte Fabian Müller, Mitglied der Schülervertretung des Schuljahres 2005/06, die aufgrund der NPD-Aktivitäten in der Region den ersten Anstoß zur Projektteilnahme gegeben hatte. Gemeinsam mit Sonja Moos von der jetzigen SV bedankte er sich bei allen engagierten Mitstreitern. Glücklicherweise gebe es zwar wenig Probleme mit Rassismus und Diskriminierung am LG, meinten die beiden, aber Kleinigkeiten ließen sich immer verbessern. „Wir haben nun die große Chance, gemeinsam etwas zu verändern", so Müller. Er ermutigte alle Beteiligten: „Macht was draus!"

„Wir wollen deutlich machen, dass wir zusammengehören und alle Menschen respektvoll behandeln, aber auch Respekt erwarten", führte Manfred Geis aus. Er hob hervor, dass es für ihn eine Ehre sei, das Projekt repräsentieren zu dürfen, und zeigte sich überzeugt, dass gute Ideen entwickelt würden, um es mit Leben zu füllen. „Ich bin stolz auf die Schulgemeinschaft", erklärte der Abgeordnete. Landrätin Sabine Röhl schloss sich Geis" Worten an und sicherte dem Leininger-Gymnasium die volle Unterstützung des Landkreises Bad Dürkheim zu. (abf)