Leas Praktikantentagebuch (1)

12.07.2014

Lea Rettig aus Friedelsheim geht in die neunte Klasse des WHG und macht vom 7. – 18. Juli 2014 ein Praktikum bei Manfred Geis. In ihrem Tagebuch hält sie ihre Eindrücke fest.

Montag, 7.7.14

Heute sind wir mit der „Wer sonst - AG“ des Leininger-Gymnasiums Grünstadt losgezogen, die wir schon ab Freinsheim im Zug nach Mainz getroffen haben. Das waren etwa 40 sehr nette Leute, die ihre Red-Hands-Plakate gegen Kindersoldaten zusammen mit Manfred Geis dem Innenminister übergeben wollten. Außerdem plant das Gymnasium die Partnerschaft mit einer Schule in Ruanda und erhält heute im Innenministerium dazu weitere Informationen.

Dort sahen wir zuerst eine sehr informative Präsentation zum Thema „Partnerschaft Rheinland-Pfalz mit der Republik Ruanda“ von Mona Habich. Ruanda ist ein Land voller Gegensätze. Wusstest ihr, dass ein Lehrer nur ungefähr 50 Euro Gehalt im Monat bekommt, ein Liter Benzin aber ungefähr einen Euro kostest? Außerdem sind 80% der Menschen dort Bauern und es gibt mehr Frauen im Parlament als irgendwo sonst, über 60%. Die Geschichte Ruandas ist von einem schrecklichen Völkermord überschattet. Auch deshalb gibt es einen sehr hohen Bevölkerungsanteil junger Menschen, was nach sich zieht, dass es nach der Schule kaum Arbeitsplätze gibt.

Die Partnerschaft zwischen Ruanda und Rheinland-Pfalz existiert seit 32 Jahren und läuft sehr gut. Besonders der unmittelbare Austausch ist wichtig und dass man voneinander lernen kann. Natürlich auch die aktive Gestaltung dieser Partnerschaft. Diese drei Punkte sind auch bei der Schulpartnerschaft sehr wichtig.

Auch Nass, ein junger Mann, hat Frau Habichs Präsentation beigewohnt. Nass kommt aus Ruanda und macht gerade ein Freiwilliges Soziales Jahr beim Landessportbund in Mainz. Er erzählte uns von seinem Leben und dass er nach diesem Jahr in Mainz trotz aller Probleme in seiner Heimat wieder dorthin zurück will. Ich fand es sehr interessant, den Alltag in Ruanda von einem Einheimischen nähergebracht zu bekommen. Nass hat auch ein Arbeitsblatt für uns gemacht, auf dem wir ein paar Wörter in Kinyarwanda lernen können, eine der Amtssprachen Ruandas.

Nach diesem Vortrag übereichten Manfred Geis und die AG Herrn Innenminister Lewentz die Red Hands-Plakate und den Text: „Keine Waffen in Kinderhände - Waffenexporte stoppen.“ Manfred Geis betonte, dass diese gute symbolische Aktion nun auch politisch umgesetzt werden müsse. Dann hat Herr Lewentz uns noch erläutert, was die Aufgaben des Innenministeriums sind und wie auch versucht wird zu verhindern, dass Waffen in Krisengebiete gelangen. Außerdem erzählte er von einem Besuch einer Schule in Uganda für ehemalige Kindersoldaten, die dort darauf vorbereitet werden, später einen normalen Beruf ergreifen zu können. Schließlich wurde noch ein Foto von allen Beteiligten mit den „Roten Händen“ gemacht und wir sind quer durch Mainz zum Essen ins Landtagsrestaurant gegangen.

Danach fand im Abgeordnetenhaus des Landtags ein Workshop zum Thema Fairer Handel von ELAN (Entwicklungspolitisches Landesnetzwerk) statt, der von Nina Labode und Andrea Rühmann geleitet wurde. Dort ging es hauptsächlich um das Thema „FAIRbindung unterbrochen – Die Kehrseite des Handy-Booms am Beispiel Kongo“. Wir erfuhren, wie ein Handy gemacht wird und was in einem Handy eigentlich so alles drin ist. Die benötigten Rohstoffe werden im Kongo abgebaut und in China weiterbearbeitet. Den Menschen, die bei der Entwicklung beteiligt sind, geht es sehr schlecht. Im Kongo werden die Arbeiter von Rebellen bewacht und kontrolliert, die auch um die Minen kämpfen und in China müssen die armen Leute sechs bis sieben Tage die Woche 12 Stunden lang arbeiten.

Dann sprangen wir zur Nutzung von Handys auf der Welt. Wusstet ihr, dass in Europa 123 Handys auf 100 Leute kommen? Der ganze Elektroschrott, der dabei aufkommt, belastet die Umwelt und man weiß nicht wohin damit. Was kann der Faire Handel nun für einen Beitrag zur Verbesserung der Situation von Produzierenden leisten? Sehr viel! Meiner Meinung nach der wichtigste Punkt ist, dass der Faire Handel unabhängig von der Wirtschaftslage einen Mindestlohn für die Arbeiter schafft, bei guter Lage steigt der Lohn der Menschen jedoch mit. Damit kamen wir zum „FairPhone“. Die Hersteller dieses speziellen Handys achten auf gute Minen und Fabriken, die sie zertifizieren. Dort haben die Arbeiter bessere Arbeitsbedingungen und bekommen mehr Lohn.

Zum Abschluss redeten wir noch über die „Weltläden“, die Produkte des Fairen Handels verkaufen. Dazu bekamen wir Informationskarten und stellten uns damit dem Produktionsweg nach auf. Schließlich gingen wir in den Landtag. Wir durften sogar in den Plenarsaal! Doch damit war der Tag dann auch zu Ende. Ich fand ihn sehr informativ und schön.