Praktikantentagebuch: Isabelle Heß und Christoph Wohninsland

15.02.2015

Ende Januar/Anfang Februar 2015 haben Isabelle Heß aus Ellerstadt und Christoph Wohninsland aus Lambsheim, beide in der 12. Klasse IGS Ludwigshafen, ein Praktikum bei Manfred Geis gemacht.

Hier sind ihre Berichte (und eine interessante Meinungsumfrage):

Die erste Woche (Christoph Wohninsland)

Am Dienstagmorgen war es soweit: Unser Praktikum bei Manfred Geis in Mainz sollte beginnen. Auf der Fahrt dorthin schwirrten uns Fragen durch den Kopf wie: Was wird uns nur erwarten? Was für Aufgaben hat ein Abgeordneter eigentlich? Am gestrigen Montag hatten wir schon einen kleinen Vorgeschmack bekommen, denn wir waren (nachdem wir damit gesegnet waren, lange ausschlafen zu dürfen) mit zu Gast in der „Marktschänke“ in Bad Dürkheim und erlebten eine lange Rede des Bürgermeisterkandidaten der SPD für die Stadt, Christoph Glogger.

Einen frischen Wind bekamen wir dann am Montagabend zu spüren, aber auch am Dienstagmorgen durch musikalische Begleitung, die das Plenum des Landtags bei der Sondersitzung zum "Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus", bereicherte. Die sehr emotionale Rede der Überlebenden der Schoah trieb uns fast die Tränen in die Augen, aber eine Erheiterung für die Seele und unsere hungrigen Mägen waren dann Canapés und etwas zum Trinken, die uns nach der Veranstaltung erwartete.

Anschließend waren wir im Innenministerium, wo uns nochmals Kaffee und Kuchen zum Schmunzeln brachten. Wir dachten nur: "Welch ein Leben". Von den ganzen Themen in den Arbeitskreisen und Ausschüssen verstanden wir leider nicht viel, jedoch hat uns diese "neue Welt", die sich für uns aufgetan hat, sehr begeistert.

"A new day, a new dawn" - und es ging zur Fraktionssitzung. Unterschriebenes Stillschweigen über die darin vorkommenden Themen, die dann im Plenum am Nachmittag diskutiert wurden. Doch davor hat sich die Abgeordnete Ulla Brede-Hoffmann dazu bereit erklärt, ihre Mittagspause zu opfern, um uns den Weg, den ein neues Gesetz durchläuft, zu erklären und uns die Gewaltenteilung genauer zu erläutern. Eine sehr nette Geste, fanden wir.

Die Plenarsitzung war dadurch, dass wir die Hintergründe in der Fraktionssitzung vorab kennengelernt hatten, viel interessanter und wir konnten den Themen deshalb auch besser folgen. Dennoch ist es auch überraschend anstrengend, nur still dazusitzen, da man sich an keinem Gespräch beteiligen kann. Kein Vergleich zur Schule also.

Der nächste Tag stand ganz im Zeichen einer langen Plenarsitzung, doch über die Tage haben wir uns mit anderen Praktikanten angefreundet, weshalb wir uns schon alle auf die Mittagspause freuten, in der wir gemeinsam chinesisch essen gingen. Endlich war es soweit, denn obwohl man sich vornahm, so gut es ging, dem Plenum zu folgen, sank die Konzentration stetig. Doch mit dem Essen folgte neue Kraft und so konnten wir nun aufmerksam den ganzen Reden sowie den Zwischenrufen der Opposition und Koalition folgen.

Am Freitag hatten wir wieder das Glück des langen Ausschlafens, doch wir bekamen die Aufgabe, unsere Eindrücke in einem Praktikantentagebuch festzuhalten. Erkenntnis NUmmer eins: Ein Abgeordneter muss viel Geduld und Begeisterungsfähigkeit haben, um alle Sitzungen ohne Einschlafen zu überstehen und seinen Wahlkreis angemessen zu vertreten.

 

Erste Eindrücke (Isabelle Heß)

Als ich zusammen mit Christoph mein Praktikum am ersten Tag antrat, hatte ich kaum eine Vorstellung davon, was die täglichen Aufgaben eines Abgeordneten sind. Klar, wiedergewählt werden, dachte ich, sei die wichtigste.

Montagabends in Bad Dürkheim bekam ich dann die ersten Eindrücke des Berufsfeldes, während der neue Kandidat der SPD für die Bürgermeisterwahl gekürt wurde. Mit seiner Rede, die mich nicht nur aufgrund des Inhalts, sondern auch durch zahlreiche Schlagworte wie: „Fremde Besen kehren besser“ und „Ein frischer Wind muss nach der langen Amtsperiode eines CDUlers her“ beeindruckte, freute ich mich noch mehr auf Dienstagmorgen und damit unseren ersten Tag in Mainz.

Zu Beginn besuchten wir eine Sitzung zum Thema BAföG bei der SPD Fraktion, doch lange hielten wir uns damit nicht auf, da im Anschluss eine Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus stattfand. Wir trafen somit alle um 10:00 Uhr im Plenarsaal des Landtages ein. Endlich sah ich mal den Raum, den man sonst nur aus dem Fernseher kannte.

Begleitet wurde diese Veranstaltung von einer Musikgruppe, die vergessene Lieder jüdischer Musiker spielte, jedoch wurde nicht nur den Opfern des Nationalsozialismus gedacht, sondern auch den Toten durch die Pariser Anschläge vor ein paar Wochen. Als dann eine jüdische Frau aus Polen über ihre Zeit im KZ sprach, fiel es nicht nur mir schwer, die Tränen zurückzuhalten.

Anschließend gab es im Vorzimmer des Plenarsaals einige Häppchen zu essen, was für ausreichend Grundlage für die Sitzung eines Arbeitskreises im Innenministerium sorgte. Dort wollte man uns zuerst gar nicht rein lassen, weil drei Jugendliche wohl zu verdächtig aussehen... Nach einigen Telefonaten war dann alles geklärt und wir fanden uns bei einer Sitzung über Netzausbau und sonstige Medien wieder. Prägend war für uns dabei vor allem der leckere Streuselkuchen, den außer uns Praktikanten keiner wollte.
Daheim angekommen war ich von den ganzen neuen Eindrücken platt und fiel ins Bett.

Der zweite Tag begann mit einer Fraktionssitzung, bei der die gesamte SPD - Abgeordnete, Minister, Mitarbeiter - anwesend war. Hierbei wurden wichtige Themen wie der Nationalpark und das Vorgehen bei der folgenden Plenarsitzung behandelt. Daraufhin führten wir Praktikanten ein Gespräch mit MdL Frau Brede-Hoffmann, die uns über Grundlagen der Politik, wie die Gewaltenteilung und das Gehalt eines Abgeordneten informierte.

Die nachfolgende Plenarsitzung verfolgten wir von der Zuschauertribüne aus, von der man die „Sünden der Abgeordneten“ noch besser beobachten kann: Uns fiel auf, dass viele miteinander schwätzten oder mehr mit ihrem Handy beschäftigt waren als mit dem Zuhören, aber so ist es ja bei uns Schülern auch.

An diesem und dem nächsten Tag folgten wir gespannt den kleinen Wortgefechten zwischen Grünen, CDU und SPD, welche einen wirklichen hohen Unterhaltungswert haben, aber auch Aufschluss über die Aufgaben der Regierung und das Hinterfragen der Opposition gibt.

Wenn ich mir nun am Ende dieser Woche nochmal die Frage stelle, was die Aufgaben eines Abgeordneten sind, kann ich sie im Gegensatz zum Beginn besser beantworten. Mir fiel besonders auf, dass die Arbeit nicht nur in Mainz in Form von Plenarsitzungen und Arbeitskreisen ausgeübt wird, sondern auch im Wahlkreis. Denn die wichtigste Aufgabe eines Abgeordneten ist, die Bürger und Bürgerinnen im Wahlkreis zu vertreten, und dabei seine eigenen Schwerpunkte auch mal zu vernachlässigen - und dabei eine gesunde Balance zu finden.

 

Die zweite Woche (beide)

Die zweite Woche in Mainz ging wieder an einem Dienstag los, doch wir hatten zuvor die Aufgabe, uns über das Thema des "Parlamentarischen Abends" am Mittwoch zu informieren und ein Konzept für eine Veranstaltung zum "Ellerstadter Roten" zu entwickeln.

Bestens gerüstet und voller "Elan" trafen wir im Abgeordnetenhaus ein und gesellten uns zum Arbeitskreis Innen, Sport und Infrastruktur. Dort erwartete uns unsere erste typische "Praktikantenaufgabe"; wir durften kopieren gehen! Dann erfuhren wir leider, dass eine interne Fraktionssitzung stattfand, an der wir nicht teilnehmen dürfen, doch wir wurden damit getröstet, orientalisch zu essen. Eine echte Abwechslung - und wir wurden sogar eingeladen. Vielen Dank für diese Bereicherung!

Dabei entwickelten wir die Idee, am nächsten Tag eine Umfrage zu starten, um das politische Interesse rheinland-pfälzischer Bürger zu ermitteln. Mit diesen Gedanken durften wir uns auf den Heimweg machen und konnten uns schon mental auf den nächsten Tag einstimmen, denn diesmal würde uns eine offene Fraktionssitzung erwarten.

Am nächsten Tag in Mainz angekommen, gingen wir zur Fraktionssitzung und hörten aufmerksam zu. Jedoch ging uns unsere Umfrage nicht mehr aus dem Kopf, weshalb wir daraufhin die Vorlage fertigstellten und uns an ein - für uns noch neues - Abenteuer wagten. Nach unserem erstes "Opfer" wurden wir immer mutiger und bemerkten, wie spannend es ist, mit fremden Leuten ins Gespräch zu kommen. Diese neue Erfahrung wird uns noch lange in den Köpfen bleiben. Nach anstrengenden Stunden in der Mainzer Innenstadt kehrten wir zum Büro zurück, von wo wir uns nach einer Erholungspause in den Wappensaal des Landtages aufmachten.

Dort erwartete uns ein Highlight. Die Arbeit der Organisation "Elan" (Entwicklungspolitisches Landesnetzwerk Rheinland-Pfalz), welche sich für eine gerechtere Welt einsetzt, bewegte uns sehr. Man muss ihr wirklich ein hohes Lob aussprechen. Danach kam es zum gemütlichen Beisammensein mit vegetarischen Spezialitäten und gutem Wein. Ein gelungener Tag endete - morgen würde uns unser letzter Tag erwarten.

Ein bisschen traurig gingen wir ein letztes Mal nach Mainz, wo wir nochmals ein paar Leute befragten und danach mit unserer "Adoptivpraktikantin" Franzi die Umfrage auswerteten. Mit einer Flasche Wein und einer Karte bedankten wir uns bei dir, lieber Manfred, und wollen dich auch jetzt noch einmal für deine tolle Betreuung loben. Vielen Dank.

Danach machten wir uns schweren Herzens auf den Heimweg, denn nun würde uns wieder allzu schnell der Schulalltag einholen.

Abschließen können wir sagen, dass das Praktikum für uns ein voller Erfolg war und uns mit vielen neuen, lehreichen Erfahrungen beschenkt hat, wofür wir nochmals "Danke" sagen möchten.

 

Umfrage: Politisches Interesse

Auswertung

 

Teilnehmeranzahl: 30

Umfrageort: Mainzer Innenstadt

Datum: 04.02.2015

Um das politische Interesse der Bürger in Rheinland-Pfalz zu ermitteln, befragten wir in der Mainzer Innenstadt 30 Passanten. Dabei hielten wir folgende Ergebnisse fest:

Bei der Frage nach dem Wahlverhalten war auffällig, dass die 18-30 Jährigen am wenigsten wählen gehen. Fast die Hälfte der befragten jungen Erwachsenen gehen aus mangelndem Interesse nicht wählen. Fünf von acht zeigen wenig bis gar kein Interesse und haben so gut wie kein Vorwissen zu aktuellen politischen Themen.

Alle Befragte der Altersgruppen der 30-50 Jährigen und der über 50 Jährigen gehen regelmäßig wählen, davon haben 6 der 8 Befragten der über 50 Jährigen starkes bis sehr starkes Interesse und Vorwissen an aktuellen politischen Themen. Bei den 30 bis 50 Jährigen zeigt sich eine ausgeglichene Verteilung zwischen desinteressierten und interessierten Befragten.

Die Interessenfelder liegen bei allen Altersgruppen im Bereich der aktuellen Kriege und Unruhen (Bsp. Nahost-Konflikt). Außerdem ist die Integrationspolitik für 80% ein wichtiges aktuelles Thema, welches ihrer Meinung nach von der Regierung besser publiziert und aufgeklärt werden muss. Als Beispiel soll die Aufnahme von Flüchtlingen in den einzelnen Gemeinden besser organisiert worden. Besonders die Generation der über 50 Jährigen möchte, dass die Regierung mehr Geld in die Aus- und Bildung sowie Förderung von Jugendlichen investiert (Bsp. Schulraumgestaltung, weniger Ausfall der Lehrkräfte).

Die 18-30jährigen Befragten sind die einzige Gruppierung, in der es Personen gibt, die keine Meinung zur Zufriedenheit mit der Regierung haben (4 von 8). Jedoch sind die restlichen 4 Befragten zufrieden mit der aktuellen Regierung in Rheinland-Pfalz.

Die meiste Zufriedenheit zeigt sich bei den Berufstätigen (30-50 Jährigen), denn ca. 70% sind stark zufrieden und sympathisieren mit Malu Dreyer.

Bei den über 50 Jährigen zeigt sich, dass 50% zufrieden sind und 50% nur teilweise zufrieden, jedoch keiner unzufrieden ist.

Bei den Verbesserungsvorschlägen geben 50% an, dass sie sich mehr Kommunikation der Regierung mit den Bürgern wünschen.

Zu dem aktuellen Thema „Mindestlohn“ haben wir 25 der insgesamt 30 Personen befragt. Jeder gibt an, dass er unsicher ist, wie er zum Mindestlohn stehen soll, ausgelöst sei dies evtl. durch die Kritik in den Medien. Befürchtet werden ein Anstieg der Schwarzarbeit und Entlassungen in den Betrieben. Allerdings stehen nur zwei der 25 Befragten dem Mindestlohn rein negativ gegenüber. Die meisten fänden den Mindestlohn prinzipiell gut, nur mangele es an der richtigen Umsetzung und Aufklärung in den Betrieben.

 

Franziska Burghardt

Isabelle Heß

Christoph Wohninsland