Rede zum Weltkulturerbe Mittelrheintal in der Aktuellen Stunde in der Sitzung des Landtags am 27. Mai 2015

07.06.2015

Am 27. Mai 2015 hat der Landtag in einer Aktuellen Stunde über einen Antrag der CDU-Fraktion diskutiert, der eine Imageschädigung des Weltkulturerbes Mittelrheintal durch Aussagen des Staatssekretärs und Weltkulturerbe-beauftragten Schumacher sah. Manfred Geis redete dazu für die SPD-Fraktion:

"Ich habe es eigentlich nicht geglaubt, dass Sie dieses Thema in einer Aktuellen Stunde des Landtags wirklich zur Diskussion stellen. Dass nun auch noch Herr Dr. Weiland in dieser Art redet, ist schon ein starkes Stück, zumal in einer Zeit, in der es wirklich andere große Themen gibt.

Frau Dauscher hat es Ihnen schon gesagt: Wenn uns nichts anderes mehr einfällt, muss man wirklich einmal überlegen, wie relevant unsere Gremien überhaupt noch sind. Als Sie vor einiger Zeit bei der geplanten Marx-Ausstellung schon die Chance nutzen wollten, den Sozialismus zu Lande, zu Wasser und in der Luft zu bekämpfen, haben Sie gerade noch die Kurve gekriegt und haben uns und auch sich selbst die Aussprache zur Fragestunde erspart. Jetzt haben Sie zugeschlagen  --  die Erschütterung darüber wird das Weltkulturerbe nicht ins Wanken bringen und auch nicht das Land Rheinland-Pfalz. Aber es zeigt wieder einmal, dass Sie nichts auslassen, was Ihnen als Skandalisierungsmöglichkeit dienlich erscheint. Darum geht es Ihnen. Das verunsichert die Menschen in der Region und es schadet den Projekten, die Ihnen scheinbar doch so am Herzen liegen. Das ist beileibe auch nicht das erste Beispiel.

Zu den Fakten:
Kulturstaatssekretär Walter Schumacher, ein offener und neugieriger Mensch, hat die „Burgenbloggerin“ besucht. Das spricht für ihn, er hat nämlich gemerkt – das haben Sie mit keinem Wort erwähnt -, dass dies eine herausragende Idee für die Popularisierung des Mittelrheintals ist. Eine Art „Stadtschreiberin“ (die Mainzer und auch das ZDF wissen, welch eine positive Bedeutung dies hat) auch für eine Burg wie Sooneck; ein ungewöhnliches Projekt, ausgewählt und finanziert von der Entwicklungsagentur RLP, in Projektpartnerschaft unterstützt von der Rhein-Zeitung und von der Generaldirektion Kulturelles Erbe, gesponsort von OPEL und von der Köln-Düsseldorfer. Man hat offenbar eine bestens geeignete junge Frau gefunden, die Medienresonanz ist ganz gewaltig.

Walter Schumacher besucht diese Frau, spricht mit ihr, gibt ihr ein Interview. Es geniert ihn vielleicht ein bisschen zu sagen: Schicken Sie mir bitte vor der Veröffentlichung noch einmal den Text zur „Freigabe“ zu. Sie wissen, das macht man normalerweise. Das spricht nicht gegen ihn. Darin stehen ein paar Sätze – das möchte ich garnicht verschweigen -, die undiplomatisch sind und - keine Frage – die auch mißverständlich sind. Die einen schmunzeln darüber, lachen vielleicht hinter vorgehaltener Hand, die anderem machen sie vielleicht aber auch nachdenklich, das könnte auch sein, wieder andere können sie aber sicher auch ärgern. Das ist in der Politik so.

Das sind spontan formulierte Sätze - wer von uns hätte denn das so locker gekonnt? Aber diese Sätze veranlassen Sie, die Keule auszupacken, um Schaden vom Mittelrheintal abzuwenden. Nein, Sie beschädigen dieses brandneue Amt der „Burgenbloggerin“, die zu Recht von sich sagt: „Als Burgenbloggerin will ich den Burgfrieden stören. Interessante Menschen auf die Burg holen.“ - Hoffentlich läßt sie sich von Ihnen nicht einschüchtern.

Wer, wenn nicht Jessica Schober mit diesem frechen Blog, wird junge Menschen für das Weltkulturerbe Mittelrheintal interessieren? Das Konzept ist angekommen, rund um ihren Blog ist erstmals so etwas wie eine wachsende „digitale Gemeinschaft“ im Mittelrheintal entstanden. Das geht an uns hier vorbei, das glaube ich schon.

Ich bin als Pfälzer ein bisschen neidisch, der aus einer ähnlich gottgesegneten Landschaft und auch aus einer Weinregion kommt. Beide Regionen verbindet einiges. Wir haben lernen müssen und haben es mühsam gelernt: Dass wir unsere Qualität verbessern müssen, und zwar in jeder Hinsicht, beim Wein – das wissen viele, bei den gastronomischen Angeboten, architektonisch, in unseren touristischen Schwerpunktsetzungen und in unserer Selbstdarstellung. Die digitale Generation hat das beherzigt, Gott sei Dank; meine Generation muss noch vieles lernen – in der Pfalz und auch am Mittelrhein. Natürlich ist viel passiert, es gibt ein tolles Engagement überall, das bestreitet niemand. Aber dass es lokale Egoismen gib, das ist auch nicht zu bestreiten.

Ich sage Ihnen mein Fazit in der zweiten Runde.

 

Nach den Redebeiträgen von Ratter (Grüne), Sts Schumacher und Weiland (CDU):

Da prallen Welten aufeinander. Da ist ein kultureller Unterschied in der Art der Argumentation, wo es leider wenig Vermittlungsmöglichkeiten gibt. Herr Weiland, Sie sind überhaupt nicht auf die Frau eingegangen, die den Anlass zu diesen – ich habe es gesagt – flapsigen Bemerkungen von Herrn Schumacher gegeben hat.

(Zwischenruf Dr. Weiland: Die Frau hat einen Topjob gemacht!)

Das sagen Sie jetzt. Sie haben die neue Form, mit dem Mittelrheintal umzugehen, überhaupt nicht im Blick. Herr Schumacher war dort, hat mit der Frau geredet und hat sich dieser Diskussion gestellt. Ich glaube, da braucht er nicht die Unterstützung von mir. Er hat dargestellt, dass er sich international für das Weltkulturerbe einsetzt. Er hat einen seiner Sätze eben selbst zitiert. Ich sage ihn noch einmal, weil ich ihn so schön finde. Niemand von uns hätte es so gesagt: „Wenn sie da oben auf der Loreley sitzen und die Sonne geht unter: Sie heulen, so schön ist das!“ Das ist Walter Schumacher, das ist authentisch. Das ist ehrlich. Das ist einer, der sich einsetzt. Das ist ehrabschneidend, wenn Sie unterstellen, dass er das nicht tut.

Wir haben jetzt endlich einmal einen Politiker, der nicht dem Vorurteil entspricht, das die meisten Menschen von uns haben, dass wir Vorgestanztes in rituellen Konstellationen verlaufbaren, ohne Ecken und Kanten, den Leuten nachreden, wie es uns passt und wie es denen passen soll, korekt, geleckt, aber ohne Inhalt in der Regel. Das macht Walter Schumacher, Gott sei Dank, nicht. Ich bin ganz stolz, dass er dieses Amt hat und es so ausführt. Er hat dem Weltkulturerbe Mittelrheintal sicher nicht geschadet, im Gegenteil! Über seine erfolgreichen Aktivitäten hat er berichtet. Hören Sie auf mit dieser lächerlichen Kampagne! Lassen Sie uns gemeinsam – wie vorher – für das Weltkulturerbe und für andere Vorhaben im Land arbeiten. Das tut der Sache besser, glaube ich."