Unser Tag für Afrika (11): Felicitas Dietl

29.06.2017

Meinen „Tag für Afrika“ habe ich in meinen derzeitigen Alltag einfließen lassen. Eigentlich bin ich angehende Politikwissenschaftlerin, arbeite allerdings für einen Zeitraum von einem Jahr als Arzthelferin an der Anmeldung in einer rheumatologischen Praxis in Jena. Eine Erfahrung, die mich sehr viel über Selbstverantwortung, Stress und Zufriedenheit im täglichen Leben lehrt.

Rheuma, in sämtlichen Erscheinungsformen, zählt zur Kategorie der Autoimmunkrankheiten, wobei im Zuge einer Immunreaktion der Körper sich gegen körpereigenen Strukturen richtet. Es gibt sowohl genetische Gründe als auch Umweltfaktoren, wie Lebensstil oder Infektionen, die Ursache rheumatischer Erkrankungen sein können. Faktisch lassen sich Krankheiten dieser Art nicht „heilen“. Betroffene Personen müssen lernen mit ihr umzugehen. Das bedeutet Mittel gegen die (für nicht erkrankte schwer nachvollziehbare) Schmerzen zu finden und trotz extremer physischer Einschränkungen Körper und Geist weiterhin in Bewegung zu halten. Dabei helfen können Medikamente, Physiotherapie, Rehasport oder –maßnahmen und Schmerztherapien. Der persönliche Umgang mit dieser Krankheit, der oftmals zu Arbeitsunfähigkeit und vorzeitiger Berentung führt, stellt meiner Meinung nach die größte Herausforderung dar. Der Patient leidet meist noch an zusätzlich auftretenden physischen und/oder psychischen Folgeerkrankungen. Er ist tagtäglich gefordert, mit Therapiemöglichkeiten und medizinischen Hilfsmitteln an seiner Lebensqualität zu arbeiten. Diese werden vom Arzt übermittelt und vom Gesundheitssystem mal mehr, mal weniger einfach zugänglich angeboten. Wer in Sachen Versorgung der Patienten die meiste Verantwortung trägt, konnte ich bis jetzt noch nicht feststellen. Der Staat? Die Krankenkasse? Die Ärzte? Der Patient? Die Pharmaindustrie? Die Wissenschaft? Die Bürokratie?
Während meiner Arbeit zwischen Anforderungen von Krankenkassen, Versicherungen, den Anweisungen meines Chefs und den Bitten meiner Kollegen, den Anfragen von Apotheken, tausenden Formularen, den Abrechnungsrichtlinien, dem ständig klingelnden Telefon und der nicht immer funktionierenden Technik, zwischen unverschämten Forderungen und herzlicher Dankbarkeit, versuche ich Ruhe zu bewahren.
Am Ende eines Tages jedoch sollte bei jedem - bei Patienten, beim Arzt, der Schwester oder dem Fahrer fürs Labor, etwas mehr Lebensqualität stehen.
Und das gilt nicht nur für den Betrieb einer rheumatologischen Praxis in Jena.