Unser Tag für Afrika 2017 (7): Valerie Ladwig

25.06.2017

"Meinen zweiten Tag für Afrika 2017 verbrachte ich im Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur (MWWK) bei Prof. Dr. Jürgen Hardeck, dem Leiter des Kultursommers. Dieser steht 2018 unter dem Motto „Industriekultur“ und meine Aufgabe war es, einen Text mit Anregungen zu verfassen, zu denen Künstler einen Beitrag liefern können. Hier sind einige Punkte daraus zusammengefasst:
In Zeiten von Industrie 4.0, die nach der Industriellen Revolution die zweite große Umwälzung in relativ kurzer Zeit der Menschheitsgeschichte darstellt, ist das Thema natürlich hochaktuell. Die Frage nach dem Verhältnis des Menschen zu seinen eigenen Errungenschaften stellt sich erneut, und in diesem Zuge taucht nicht zuletzt das marxsche Motiv der Entfremdung wieder auf. Die Technik ändert ihren Charakter; sie wird kompakter, diverser und vor allem immer invasiver: Sie dringt in intime Bereiche des menschlichen Lebens ein. Befindet sich der Mensch also bereits mitten in einer neuen Phase der technischen Entwicklungen, bevor er die der letzten 200 Jahre wirklich bewältigt hat? Auch bei Theodor Adorno fand ich bis heute unbeantwortete, aber immer drängendere Fragen: Was macht Technik mit uns? Verändern wir, wenn wir uns auf sie einstellen, den Umgang im Miteinander?
Im Gegensatz zu den Maschinen des 19. Jahrhunderts ist die heutige neue Technik mit mehr Elektronik und weniger Mechanik darauf bedacht, ihre Arbeitsweise zu verbergen. Gewöhnt uns die komplexe und verborgene Technik also nicht nur das Werkeln, sondern auch das Staunen ab? Die Entfremdung der Menschen von den Dingen bezieht sich paradoxerweise auch auf solche Dinge, mit denen wir in intimer und konstitutiver Weise verbunden sind (Habermas). Indem wir uns also mit ihnen verbinden und gleichzeitig entfremden, geht der Riss nicht entlang der physischen Grenze zwischen uns und dem Gerät, sondern mitten durch unser Selbst.
Auch der auf die Technik bezogene Herrschaftsbegriff erfährt einen Paradigmenwechsel: Nicht der Mensch muss sich das Auto oder das Telefon Untertan machen, sondern der Schrittzähler und das autonome Auto versuchen – dem guten Zweck zuliebe – dem Menschen Schritt für Schritt die Gewalt über sich abzuringen.
Auch jenseits philosophischer Fragen lässt das Thema der Industriekultur eine anregende künstlerische Auseinandersetzung erwarten. Dem Kultursommer 2018 sehe ich daher mit Spannung entgegen – und vielleicht finde ich ja sogar die eine oder andere meiner Ideen wieder."