Was man in 24 Stunden alles erleben und lernen kann - Ein Tag im Abgeordnetenhaus des Landtags Rheinland-Pfalz

04.09.2016

Am Mittwoch, den 31. August, steige ich kurz vor neun Uhr in Schifferstadt in den Zug Richtung Mainz. Mein Ziel: Der Landtag und sein Abgeordnetenhaus. Im Kopf gehe ich nochmals durch, wie der Tag wohl ablaufen wird. Sicher viele neue Eindrücke, fremde und bekannte Menschen, viele davon vielleicht unnahbar. Dazu Themen, denen ich nicht folgen kann, da sie über meinen Horizont hinausgehen. In Mainz angekommen, treffe ich direkt am Bahnhof meinen „Chef“ für die nächsten vier Wochen: Manfred Geis. Abgeordneter seit 1998 und Vorsitzender des Ausschusses für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur. Kulturpolitik, das wird wohl auch der Schwerpunkt der nächsten vier Wochen werden. Ob ich hier überhaupt etwas leisten kann, so ohne besondere künstlerische Talente?

Das Erste, was ich in der neuen Welt erleben werde, ist die Fraktionssitzung der SPD. Alle werden hier sein: Die Ministerpräsidentin, die Minister/innen, Vorsitzende, Abgeordnete. Gibt es eigentlich einen Dresscode? Die Praktikanten dürfen hinten in einer Reihe Platz nehmen. Sie werden mit einem freundlichen Applaus begrüßt. Alle scheinen nach der Sommerpause gut gelaunt, es herrscht eine angenehme Stimmung. Es wird berichtet, was in den letzten Wochen alles passiert ist und was in den kommenden passieren könnte.

Im Ausschuss für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur geht es dagegen etwas förmlicher zu. Klar, ich wusste, dass die gewählten Ausschussmitglieder anwesend sein würden, inklusive Vorsitzendem. Da die Sitzung auf der Einladung mit „Öffentlich“ gekennzeichnet war, waren eventuell auch noch Gäste wegen eines bestimmten Tagesordnungspunktes zugegen. Neu für mich war der Umstand, dass auch das Ministerium anwesend ist, vertreten durch den/die Minister/in selbst oder den/die Staatssekretär/in. Bei bestimmten Umständen kommen auch Fachleute, die dem Ausschuss Bericht erstatten. Die Ausschusssitzungen laufen ziemlich konventionell ab. Allein der Vorsitzende erteilt das Wort (was wahrscheinlich auch das Vernünftigste sein wird, da sonst früher oder später alles in einer lautstarken Diskussion enden könnte). Wortmeldungen werden nach der Reihe abgehakt. Tatsächlich konnte ich entgegen meiner vorherigen Vermutung auch den Themen folgen und empfand es als sehr aufregend und interessant, alles so hautnah miterleben zu dürfen.

Nach diesen beiden Sitzungen habe ich schon größten Respekt den Abgeordneten und ihrer Leistung gegenüber. Wie oft bekommt man im Dorf mit, wie sich die Bürger lautstark über die Politik beschweren: die Politiker würden allesamt nichts mehr leisten, lediglich vor den Wahlen große Versprechungen machen und letztendlich doch nichts umsetzen! Ich persönlich bin nach sieben langen Sitzungsstunden ziemlich k.o.. Und das, obwohl ich nur hinten saß und nicht mal den Themen folgen musste, da ich die Entscheidung nicht zu treffen habe.

An Feierabend ist trotzdem noch nicht zu denken. Es ist mittlerweile halb sechs Uhr abends und ich habe nun die Gelegenheit die erste „richtige“ Pause zu machen. Das heißt: etwas zum Essen zu kaufen und einmal durchzuatmen. Für Manfred geht es allerdings direkt weiter zu einer Veranstaltung der Architektenkammer, um dann zwei Stunden später wieder pünktlich zur Eröffnung einer Ausstellung zum Thema „Filmförderung in Rheinland-Pfalz“ im Abgeordnetenhaus sein zu müssen.

Dort treffe auch ich mich wieder mit ihm. Wir machen Bekanntschaft mit zwei jungen Künstlern. Während ich anfangs etwas unbeholfen inmitten der ganzen fremden Menschen stehe, unterhält sich Manfred mit allerhand Leuten, mit ihm bekannten, aber fremden Gästen. Wie kann man nach einem so langen Tag noch so aufmerksam und den Menschen zugewandt sein, und das stets mit einem Lächeln auf den Lippen?

Da Manfred sich selbst als leidenschaftlicher Kulturpolitiker bezeichnet und seit nunmehr als 17 Jahren eigene Ausstellungen junger Künstler in seinem Abgeordnetenbüro anbietet, bietet er dem jungen Künstler an, sich den Raum anzusehen, wo die Ausstellungen stattfinden. Später sitzen wir zu fünft in seinem Büro und diskutieren über alle möglichen politischen und unpolitischen Themen.

Als ich spät am Abend endlich in mein Zimmer gehe, bin ich zwar total müde, aber trotz allem glücklich. Glücklich, dass ich so herzlich aufgenommen wurde, die Bekanntschaft vieler neuer und beeindruckender Persönlichkeiten machen durfte und mitbekommen habe, wie der Alltag eines Abgeordneten im Landtag aussieht.
Ich freue mich auf die nächsten vier Wochen!

Luisa Stauder aus Waldsee studiert an der Universität Landau Politikwissenschaft und Philosophie. Sie ist aktives Mitglied in der SPD.